Kondition und Sterberisiko: Was 562.234 Belastungstests zeigen
Von Adrian Zucker, ZE3 CrossFit Backnang
Deine Kondition sagt viel über deine Gesundheit aus, mehr als viele klassische Risikofaktoren allein. In einer neuen Studie mit 562.234 Erwachsenen ging jede Stufe mehr Kondition (1 MET) mit einem um 16 Prozent geringeren Sterberisiko einher. Das bereinigte 10-Jahres-Sterberisiko lag bei Unfitten bei 32,9 Prozent, bei Fitten bei 13,4 Prozent. Es ist eine Beobachtungsstudie: Sie zeigt einen starken Zusammenhang, keinen Beweis.
Was wurde untersucht?
Jonathan Myers und Kollegen haben 2026 in der Fachzeitschrift Medicine & Science in Sports & Exercise die ETHOS-Studie veröffentlicht. Die Forscher kommen unter anderem aus Stanford, aus Kliniken der US-Veteranenbehörde und von der Universität Granada.
Ihre Frage: Verbessert die Kondition die Vorhersage des Sterberisikos, wenn man die klassischen Risikofaktoren schon kennt? Also: Bringt ein Belastungstest Informationen, die Alter, Blutdruck und Co. nicht liefern?
Ausgewertet wurden 562.234 Erwachsene aus einer klinischen Kohorte, bei der Belastungstests durchgeführt wurden. Alle hatten vollständige Daten zu den untersuchten Risikofaktoren. Die Beobachtungszeit lag im Mittel bei 10,2 Jahren.
Wie wurde Kondition gemessen?
Alle Teilnehmer machten einen Belastungstest auf dem Laufband. Gemessen wurde die höchste erreichte Leistung in METs. MET steht für „metabolisches Äquivalent“. Ein MET entspricht dem Energieverbrauch in Ruhe. Je mehr METs du auf dem Laufband erreichst, desto besser ist deine Ausdauerleistungsfähigkeit, auch kardiorespiratorische Fitness genannt.
Für einen Teil der Auswertung wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen geteilt:
- Unfit: das am wenigsten fitte Fünftel, also weniger als 5,0 METs.
- Fit: alle anderen.
Welche Risikofaktoren wurden berücksichtigt?
Die Forscher bauten zuerst ein Modell nur mit den klassischen Risikofaktoren:
- Alter
- Geschlecht
- Bluthochdruck
- Diabetes
- Fettstoffwechselstörung
- Rauchen
Dann fügten sie die Kondition hinzu und prüften, ob die Vorhersage besser wird.
Die Ergebnisse im Detail
Die Kondition hing unabhängig von allen anderen Faktoren mit dem Sterberisiko zusammen:
- Jedes 1 MET mehr war mit einem um 16 Prozent geringeren Sterberisiko verbunden (Hazard Ratio 0,84).
- Das bereinigte 10-Jahres-Sterberisiko lag bei Unfitten bei 32,9 Prozent und bei Fitten bei 13,4 Prozent.
Auch die Vorhersage wurde besser. Das messen Statistiker mit mehreren Kennzahlen:
| Kennzahl | Ergebnis |
|---|---|
| C-Statistik (Trennschärfe des Modells) | von 0,662 auf 0,682 |
| Net Reclassification Improvement, kategorial | 0,06 |
| Net Reclassification Improvement, kontinuierlich | 0,37 |
| Integrated Discrimination Improvement | signifikant verbessert |
Einfach gesagt: Mit der Kondition im Modell konnten die Forscher besser einschätzen, wer ein hohes und wer ein niedriges Risiko hat. Viele Menschen wurden dadurch einer passenderen Risikogruppe zugeordnet. Alle Verbesserungen waren statistisch signifikant.
Die Autoren empfehlen deshalb, die Kondition in die übliche ärztliche Risikobewertung aufzunehmen.
Wie belastbar ist das?
Die Studie ist sehr groß und hat über ein Jahrzehnt beobachtet. Das macht sie stark. Trotzdem gibt es klare Grenzen:
- Beobachtungsstudie: Sie zeigt einen Zusammenhang. Sie beweist nicht, dass mehr Kondition allein dein Risiko senkt.
- Klinische Kohorte: Die Daten stammen aus einer Kohorte mit klinischen Belastungstests. Ob sich die Zahlen eins zu eins auf die Allgemeinbevölkerung übertragen lassen, ist offen.
- Einmalige Messung: Laut Zusammenfassung wurde die Kondition per Belastungstest erfasst. Ob sich Veränderungen der Kondition über die Jahre ebenso auswirken, beantwortet die Zusammenfassung nicht.
Die konkreten Prozentwerte sind deshalb kein persönliches Versprechen. Sie zeigen aber sehr deutlich, wie eng Kondition und Gesundheit zusammenhängen.
Ausdauer und Kraft zusammen
Die ETHOS-Studie hat nur die Ausdauerleistung untersucht. Eine andere große Auswertung ergänzt das Bild. Haruki Momma und Kollegen haben 2022 im British Journal of Sports Medicine 16 Langzeitstudien zu Krafttraining zusammengefasst. Drei davon haben Kraft- und Ausdauertraining gemeinsam betrachtet.
Menschen, die beides machten, hatten im Vergleich zu Menschen, die keins von beiden machten, ein um 40 Prozent geringeres Risiko, früh zu sterben, und ein um 46 Prozent geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Tod. Auch das sind Beobachtungsdaten. Die Autoren bewerten die Evidenzqualität als sehr niedrig. Die Richtung passt aber zur ETHOS-Studie: Wer körperlich leistungsfähig ist, hat statistisch bessere Karten. Mehr dazu in unserem Artikel zu Krafttraining und Gesundheit.
Was das für dich heißt
Die wichtigste Botschaft: Kondition ist kein Luxus für Sportler. Sie ist ein Gesundheitswert, ähnlich wie Blutdruck oder Blutzucker. Und anders als dein Alter kannst du sie beeinflussen.
Allgemein gilt im Ausdauertraining: Der Körper passt sich an das an, was du regelmäßig von ihm forderst. Wer bei wenig Kondition startet, kann mit kleinen, regelmäßigen Schritten beginnen. Mehr dazu findest du in unserem Leitfaden für Einsteiger und, falls du nach einer längeren Pause zurückkommst, in Wiedereinstieg nach einer Pause.
Wie oft du pro Woche trainieren solltest, hängt von deinem Alltag ab. Dazu haben wir einen eigenen Artikel geschrieben.
So sieht das bei ZE3 aus
In unseren Kursen bei ZE3 CrossFit Backnang trainierst du Kondition nicht stur auf dem Laufband. Du trainierst sie mit abwechslungsreichen Workouts:
- Jede Stunde dauert 60 Minuten und wird von einem Coach geleitet.
- Rudern, Radfahren, Laufen, Springen und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht fordern dein Herz-Kreislauf-System.
- Dazu kommt Krafttraining, damit du nicht nur ausdauernder, sondern auch stärker wirst.
- Jede Übung und jedes Workout wird an dein Level angepasst. Unfit zu starten ist kein Problem.
- Trainiert wird im Hofgut Hagenbach in Backnang.
Du startest da, wo du stehst. Der Coach sorgt dafür, dass die Belastung zu dir passt.
Häufige Fragen
Was ist ein MET?
MET steht für metabolisches Äquivalent. Ein MET entspricht dem Energieverbrauch in Ruhe. In der Studie wurde die höchste auf dem Laufband erreichte Leistung in METs gemessen.
Ab wann galt man in der Studie als unfit?
Als unfit galt das am wenigsten fitte Fünftel der Teilnehmer, also alle mit weniger als 5,0 METs im Belastungstest.
Senkt mehr Kondition sicher mein Sterberisiko?
Das kann die Studie nicht beweisen. Sie zeigt einen starken Zusammenhang: Jedes 1 MET mehr ging mit 16 Prozent geringerem Sterberisiko einher. Ursache und Wirkung lassen sich mit Beobachtungsdaten nicht sicher trennen.
Warum ist Kondition wichtiger als andere Risikofaktoren?
Die Studie zeigt nicht, dass sie wichtiger ist. Sie zeigt, dass Kondition die Vorhersage zusätzlich zu Alter, Geschlecht, Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörung und Rauchen verbessert.
Ich habe Herzprobleme oder Bluthochdruck. Darf ich Ausdauer trainieren?
Mit Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder mit Medikamenten klärst du den Start am besten vorher ärztlich ab. Mehr dazu in Training mit Vorerkrankungen.
Du willst das selbst ausprobieren? Buch dein kostenloses Probetraining bei ZE3 CrossFit Backnang. 60 Minuten, kein Vertrag, jede Übung an dein Level angepasst.
Quellen
- Myers J, Kokkinos P, Samuel IBH, Cadenas-Sanchez C, Pittaras A, Faselis C. Cardiorespiratory Fitness Reclassifies Mortality Risk Beyond Traditional Risk Factors: The ETHOS Study. Medicine & Science in Sports & Exercise. 2026. doi.org/10.1249/MSS.0000000000004175 · PubMed 42841352
- Momma H, Kawakami R, Honda T, Sawada SS. Muscle-strengthening activities are associated with lower risk and mortality in major non-communicable diseases: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. British Journal of Sports Medicine. 2022;56(13):755-763. doi.org/10.1136/bjsports-2021-105061 · PubMed 35228201



